Willendorf – ein zerstörter Ort in Liesing

Liesingbach-Überflutungsbecken in Neusteinhof

Aus der Geschichte Liesings

Vom 27. September bis zum 14. Oktober 1529, fand die Erste Wiener Türkenbelagerung statt.

Die türkischen Truppen unter dem Kommando von Sultan Süleyman I. dem Prächtigen hatten Wien eingeschlossen und belagert. Mit Unterstützung von anderen Truppen des Heiligen Römischen Reichs konnten sich die Wiener behaupten. Von der Invasion durch die Osmanen war nicht nur Wien, sondern viele umliegende Dörfer betroffen.

So auch auf dem Gebiet des heutigen 23. Wiener Gemeindebezirks, wo das 1133 erstmals urkundlich erwähnte Willendorf bei der ersten Wiener Türkenbelagerung 1529 völlig zerstört und nicht wiederaufgebaut wurde. Die Siedlung Willendorf geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte um 1133 als Willendorf. Diesen Namen trug der Ort im gesamten Mittelalter. Am Liesingbach befand sich eine 1276 erwähnte Mühle, die älteste im Gebiet des heutigen Gemeindebezirks Liesing. Im 14. Jahrhundert wurde eine dem Heiligen Wolfgang geweihte Kapelle in Willendorf erstmals erwähnt. Von 1510 bis 1552 war die Universität Wien Inhaber der Herrschaft.  Die Siedlung Willendorf lag am Liesingbach, im Bereich des heutigen Rückhaltebeckens Inzersdorf 1, westlich von Inzersdorf zwischen der heutigen Triester- und Altmannsdorfer Straße.

Die letzte urkundliche Erwähnung eines „Wildendorfer Felds“ war im Jahr 1693.

 

Das Bezirkswappen

In Blau eine silberne aufgebogene Spitze, in den beide Oberwinkeln rechts ein goldener Winzerkorb, links ein goldenes Kammrad. In der Spitze ein Haselnußzweig mit drei grünen Blättern und vier Früchten über einem lodernden Feuer und der Jahreszahl 1683.

Das Wappen bezieht sich auf die Haupterwerbszweige der Bewohner Liesings sowie auf die beiden für den Ort folgenschwere Türkenbelagerungen. Der flammende Boden repräsentiert die Zerstörungen und Brandschatzungen, die die Türken zurückgelassen hatten. Der Haselnußzweig im Schlosspark von Liesing wurde, der Sage nach, von den Türken verschont, weil er sie an ihre Heimat erinnert hatte. Alles andere haben die Belagerer zerstört. Wie auch die Ortschaft Willendorf.

 

 

Wie ging es weiter?

Die weiterhin bestehende Herrschaft trug nun den Namen Steinhof, nach einem großen und wirtschaftlich bedeutenden Gutshof, zu dem auch die Wolfgangskapelle gehörte. 1751 kamen die Jesuiten von St. Anna in den Besitz des Steinhofs. 1776, nach Auflösung des Jesuitenordens, wurde Ferdinand Bonaventura II. Anton Graf von Harrach Grundherr. Der Graf von Harrach besaß, wie alle seine Nachfolger als Grundherr, auch die Herrschaft Inzersdorf.

1810 brannte das Gut Steinhof völlig aus und wurde als Neusteinhof wiedererrichtet. Die Baumwollspinnerei Drosso-Lago nahm hier ihre Produktion auf. 1833 hatte die Herrschaft knapp über 200 Einwohner. Der letzte Grundherr von Neusteinhof war der Industrielle Alois Miesbach. Nach Aufhebung der Grundherrschaften wurde Neusteinhof 1849 in Inzersdorf eingemeindet, dessen Teil es zunächst bis 1924 blieb. 1893 hatte ein Brand schwere Schäden am Gut Neusteinhof hinterlassen. Der Besitzer Julius Frankel verkaufte das Areal schließlich 1924 an die Gemeinde Wien. Inzersdorf hatte bereits durch die Eingemeindung von Inzersdorf-Stadt zu Wien im Jahr 1893 große Gebietsverluste hinnehmen müssen. Als Entschädigung überließ die Gemeinde Wien nach langen Prozessen 1932 Neusteinhof der Gemeinde Inzersdorf. 1938 wurde Neusteinhof mit ganz Inzersdorf erneut zu Wien eingemeindet. Der Gutshof Neusteinhof wurde 1959 abgetragen. In Neusteinhof entstanden in weiterer Folge Gemeindebauten und ein Betriebsgebiet.

Quelle Beitragsbild: Von Funke - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17034592